Künstliche Intelligenz (KI) kann auch für Vereine und Initiativen interessant sein. Viele zivilgesellschaftliche Organisationen nutzen KI bereits – zum Beispiel für die Erstellung und Überarbeitung von Texten, Recherche, Wissensaufbereitung oder administrative Aufgaben. Gleichzeitig bleibt die Nutzung häufig punktuell: Einzelne Personen probieren verschiedene Anwendungen aus, während eine systematische Einbindung in die Arbeitsabläufe noch fehlt.
Wie kann ein Verein also sinnvoll mit KI anfangen? Das Thesenpapier „From Know-how to Competence – Wie die Zivilgesellschaft ihre KI-Kompetenzen stärken kann“ von Civic Coding zeigt: Entscheidend ist nicht nur, einzelne KI-Tools bedienen zu können. Vielmehr kommt es darauf an, konkrete Bedarfe zu erkennen, KI verantwortungsvoll einzusetzen und Erfahrungen innerhalb der Organisation zu teilen.
Nicht mit dem Tool anfangen, sondern mit dem Bedarf
Viele Organisationen beginnen damit, sich anzuschauen, welche KI-Tools verfügbar sind. Laut Thesenpapier kann es sinnvoller sein, zunächst von konkreten Problemen oder Arbeitsprozessen auszugehen. Denn wenn die Technologie im Mittelpunkt steht, kann die Passfähigkeit zwischen KI-Anwendung und tatsächlichem Bedarf verloren gehen.
Für den Einstieg bedeutet das: Schaut zunächst darauf, wo in eurem Verein konkrete Aufgaben oder Prozesse liegen, bei denen Unterstützung gebraucht wird . Erst danach stellt sich die Frage, ob und wie KI dabei sinnvoll eingesetzt werden kann.
KI kann bei unterschiedlichen Aufgaben unterstützen
In den untersuchten Organisationen wird KI bereits für verschiedene Tätigkeiten eingesetzt. Dazu gehören insbesondere:
- Texte erstellen und überarbeiten
- Recherchen unterstützen
- Wissen aufbereiten
- administrative Aufgaben unterstützen
- erste spezialisierte Anwendungen ausprobieren
Die Nutzung ist dabei häufig experimentell. Verschiedene Tools werden ausprobiert, ohne dass bereits klare Prioritäten oder Strategien für ihre weitere Nutzung bestehen.
Gerade für den Einstieg kann es deshalb hilfreich sein, zunächst einen konkreten Anwendungsfall auszuwählen und Erfahrungen damit zu sammeln, statt gleichzeitig viele verschiedene Anwendungen auszuprobieren.
KI-Kompetenz ist mehr als Prompting
Grundlegende Kenntnisse über KI sind in vielen der untersuchten Organisationen bereits vorhanden. Mitarbeitende kennen häufig Anwendungen wie ChatGPT, Copilot oder Perplexity und sind mit Grundlagen wie Prompting vertraut. Dieses Wissen wird unter anderem selbstständig, durch Schulungen oder praktische Erfahrungen aufgebaut.
Das Thesenpapier zeigt aber auch: Für einen sinnvollen und bedarfsorientierten Einsatz reicht dieses Grundwissen allein nicht aus. KI-Kompetenz umfasst verschiedene Bereiche – vom technischen Grundverständnis über die praktische Anwendung und den verantwortungsvollen Umgang bis hin zur strategischen Entwicklung und Gestaltung.
Für Vereine bedeutet das: Es geht nicht nur darum, zu wissen, wie ein KI-Tool funktioniert. Ebenso wichtig ist die Frage, wofür es eingesetzt werden soll und wie der Einsatz zur eigenen Organisation passt.
Verantwortung von Anfang an mitdenken
Gerade in der Zivilgesellschaft gibt es eine hohe Sensibilität für ethische, rechtliche und gesellschaftliche Fragen rund um KI. Dazu gehören beispielsweise Datenschutz, Bias, Transparenz und die gesellschaftlichen Auswirkungen von KI.
Gleichzeitig kann diese Sensibilität auch zu Unsicherheit führen. Mitarbeitende sind teilweise unsicher, was erlaubt ist und ob die Nutzung von KI mit den Zielen und Werten der eigenen Organisation vereinbar ist. Organisationen entwickeln deshalb beispielsweise KI-Richtlinien, Leitfäden oder Schulungen.
Der verantwortungsvolle Umgang mit KI sollte deshalb nicht erst dann eine Rolle spielen, wenn ein Tool bereits fest im Arbeitsalltag eingesetzt wird. Er ist ein Teil der KI-Kompetenz, die Organisationen aufbauen müssen.
Erfahrungen nicht bei Einzelpersonen lassen
Ein weiteres Problem: KI-Kompetenzen sind innerhalb von Organisationen häufig unterschiedlich verteilt. Einzelne Mitarbeitende oder Teams verfügen über mehr Erfahrung, während andere auf einem grundlegenden Niveau bleiben. Wissen wird dadurch nicht automatisch in die gesamte Organisation getragen.
Das Thesenpapier beschreibt deshalb den Austausch als wichtigen Bestandteil des Kompetenzaufbaus. Besonders wertvoll ist Erfahrungswissen, das bei konkreten Fragen entsteht – etwa beim Einführen eines Tools, bei der Entwicklung eines Anwendungsfalls oder bei der Auseinandersetzung mit Datenschutzfragen. Dieses Wissen bleibt bisher jedoch häufig an einzelne Personen gebunden und wird nicht systematisch geteilt.
Für Vereine heißt das: Wenn jemand im Verein Erfahrungen mit KI sammelt, sollte dieses Wissen nicht ausschließlich bei dieser Person bleiben. Austausch und gemeinsames Lernen können dazu beitragen, dass auch andere von den Erfahrungen profitieren.
Der erste Schritt muss nicht perfekt sein
Die Untersuchung zeigt, dass sich viele zivilgesellschaftliche Organisationen aktuell in einer Phase des Ausprobierens befinden. KI wird bereits genutzt, aber häufig noch nicht systematisch in die Organisation integriert.
Gleichzeitig macht das Papier deutlich, dass gemeinsames Lernen besonders dort wirksam ist, wo Organisationen an konkreten Problemen arbeiten. Der größte Lerneffekt entsteht demnach nicht allein durch die Vermittlung von Wissen, sondern durch das gemeinsame Bearbeiten konkreter Fragestellungen.
Für den Einstieg in KI muss also nicht sofort eine umfassende Strategie stehen. Ein konkreter Bedarf, ein passender Anwendungsfall und die Bereitschaft, Erfahrungen zu sammeln und zu teilen, können ein Ausgangspunkt sein.
KI als gemeinsame Aufgabe verstehen
Die Entwicklung von KI-Kompetenzen findet in der Zivilgesellschaft bereits statt – allerdings häufig verteilt auf einzelne Organisationen, Teams und Personen. Das Thesenpapier beschreibt diese Entwicklung deshalb als fragmentiert.
Gerade kleinere Organisationen können dabei stärker auf Austausch und gemeinsam nutzbare Strukturen angewiesen sein, während größere Organisationen häufiger eigene Ressourcen für Pilotprojekte, spezialisierte Teams oder externe Expertise haben.
Das Papier kommt deshalb zu einem übergreifenden Schluss: Für den Kompetenzaufbau braucht es nicht nur weitere Wissensangebote, sondern auch dauerhafte Strukturen für Erfahrungsaustausch und gemeinsames Lernen. Dazu zählen beispielsweise kontinuierliche Austauschformate, zentrale Wissensräume, anschlussfähige Lernangebote und organisationsübergreifende Netzwerke.
Kurz zusammengefasst
Wenn ihr euch im Verein mit KI beschäftigen möchtet, zeigen die Erkenntnisse des Thesenpapiers vor allem drei Punkte:
1. Vom Bedarf ausgehen: Fragt zuerst, bei welchen konkreten Aufgaben oder Prozessen Unterstützung gebraucht wird – und nicht, welches KI-Tool ihr unbedingt ausprobieren wollt.
2. Verantwortung mitdenken: KI-Kompetenz umfasst auch den verantwortungsvollen Umgang mit ethischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Fragen.
3. Erfahrungen teilen: Wissen über KI sollte nicht bei einzelnen Personen bleiben. Gemeinsames Lernen und der Austausch über konkrete Erfahrungen können den Kompetenzaufbau unterstützen.
Der Einstieg in KI muss damit nicht bei der Frage beginnen, welches Tool ihr nutzen wollt . Er kann bei der Frage beginnen, welche konkrete Aufgabe ihr in eurem Verein besser lösen möchtet .