Zentrale Ergebnisse des Freiwilligensurveys 2024

Freiwilliges Engagement bleibt ein tragender Pfeiler des gesellschaftlichen Zusammenhalts in Deutschland. Der Sechste Deutsche Freiwilligensurvey (FWS 2024) zeigt: Trotz Krisenjahren, Pandemie und wirtschaftlicher Unsicherheit engagieren sich weiterhin Millionen Menschen – allerdings mit spürbaren Verschiebungen bei Umfang, Zugangschancen und Zielgruppen.

Zum Sechster Deutscher Freiwilligensurvey 2024

Wie viele Menschen engagieren sich?

2024 sind 36,7 % der Bevölkerung ab 14 Jahren freiwillig engagiert – das entspricht rund 27 Millionen Menschen. Damit bleibt die Engagementquote hoch, liegt aber etwas unter dem Wert von 2019 (39,7 %). 1

Wer engagiert sich besonders häufig?

Die höchsten Anteile finden sich weiterhin bei den 30–49-Jährigen (40,4 %) sowie den 14–29-Jährigen (39,9 %). Erst ab 75 Jahren sinkt die Quote deutlich (21,1 %). 2
Interessant: Frauen und Männer engagieren sich insgesamt gleich häufig – ein historischer Wandel, denn 1999 lagen Männer noch fast 10 Prozentpunkte voraus. 3

Bildung entscheidet weiter mit

Der Survey bestätigt erneut eine der stabilsten Ungleichheiten:

  • niedrige Schulbildung: 24,6 %,
  • mittlere Schulbildung: 35,9 %,
  • hohe Schulbildung: 45,5 %.

Die Unterschiede haben sich etwas verringert, bleiben aber deutlich bestehen. 4

Engagement von Menschen mit Migrationshintergrund

2024 engagieren sich 28,4 % der Menschen mit internationaler Familiengeschichte, bei Personen ohne Migrationshintergrund sind es 40,1 %. Bemerkenswert: Bei Menschen mit Migrationshintergrund bleibt der Anteil der Engagierten stabil, unter Personen ohne Migrationshintergrund zeigt sich hingegen ein leichter Rückgang. Und: Bei Menschen mit eigener Zuwanderungserfahrung steigt das Engagement – gegen den gesamtgesellschaftlichen Trend (von 20,1 % auf 25,8 %). Sie engagieren sich zudem überdurchschnittlich häufig für Geflüchtete. 5

Regionale Unterschiede

Ein Blick auf die regionalen Unterschiede zeigt, dass sich Menschen in ländlichen Räumen weiterhin etwas häufiger engagieren als in Städten. 2024 sind 38,4 % der Bevölkerung auf dem Land freiwillig aktiv, in städtischen Regionen sind es 35,8 %. Der Abstand ist damit leicht geringer als 2019, aber weiterhin klar erkennbar. Es zeigen sich weiterhin Unterschiede zwischen Ost und West. In den westdeutschen Bundesländern engagieren sich 37,3 % der Bevölkerung, im Osten sind es 34 %. Zwischen 1999 und 2019 schrumpfte der Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland beim freiwilligen Engagement deutlich – von 7,9 auf 3,4 Prozentpunkte. Im Jahr 2024 setzt sich diese Entwicklung jedoch nicht weiter fort. 6

Wie intensiv ist Engagement?

Viele Freiwillige engagieren sich regelmäßiger und mit mehr Zeit als vor fünf Jahren: 24 % investieren 3–5 Stunden pro Woche, 19 % sogar 6+ Stunden. 7  Die Häufigkeit steigt ebenfalls: 48 % engagieren sich mindestens einmal pro Woche. Dieser Trend zeigt, dass Engagement weiterhin eine feste Rolle im Alltag vieler Menschen spielt. 8

In welchen Bereichen engagieren sich Menschen?

Unangefochten bleibt Sport und Bewegung der größte Bereich: Fast 13 % der Bevölkerung engagieren sich hier.

Es folgen:

  • Soziales – 8 %,
  • Kultur & Musik – 6 %,
  • Schule & Kindergarten – 6 %,

Kirche / Religion – 6 %. 9

Wie engagieren sich Menschen?

Vereine bleiben zentral: 49 % der Engagierten wirken im Vereinskontext mit. Selbstorganisierte Gruppen – ein wachsender Trend der letzten Surveyjahre – stagnieren 2024 bei 13 %. Etwa ein Viertel aller Freiwilligen übernimmt Leitungs- oder Vorstandsfunktionen. 10

2024 übte mehr als die Hälfte der Freiwilligen nur eine Tätigkeit aus, aber ein großer Teil engagierte sich in mehreren Bereichen gleichzeitig. 26 % der Engagierten haben zwei parallele Tätigkeiten, 21 % sogar drei oder mehr. Im Durchschnitt kommen Freiwillige damit auf 1,8 Tätigkeiten – etwas weniger als 2019, als der Durchschnitt noch bei 2,0 lag. 11

Wer wäre künftig bereit, sich zu engagieren?

Unter den Nicht-Engagierten zeigen 41 % Bereitschaft, sich in den nächsten 12 Monaten zu engagieren. Besonders hoch ist das Potenzial bei Jugendlichen: 66 % der 14–29-Jährigen wären offen dafür. 12

Warum beenden Menschen ihr Engagement?

Zehn Prozent der Engagierten geben an, dass sie es sich finanziell nicht mehr leisten können, Zeit für ihr Engagement aufzubringen. In der Altersgruppe der 30- bis 49-Jährigen betrifft dies sogar 15 Prozent.

Weitere Gründe:

  • Zeitmangel (62 %),
  • gesundheitliche Gründe (32 %),

Wunsch nach weniger Verpflichtung (31 %). 13

Fazit

Der FWS 2024 zeigt ein stabiles, lebendiges Engagement – aber auch deutliche strukturelle Ungleichheiten. Besonders positiv: Junge Menschen und Menschen mit eigener Migrationserfahrung werden zunehmend engagierter. Gleichzeitig verdeutlichen die Daten, wo Politik und Gesellschaft ansetzen müssen: bei Zeitressourcen, Zugängen und Abbau sozialer Hürden.

Quelle:

Sechster Deutscher Freiwilligensuryves 2024

1. & 2. S. 4
3. S. 8
4. S. 11
5. S. 12
6. S.44f
7. S. 20
8. S. 4
9. & 10. & 11. S. 5
12. S. 14
13. S. 16 - S. 18
 

 

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